
Irrlicht sind Markus Nauli (Keyboards, Texte), Renato Kienberger Keyboards), Sängerin Daniela Dietz und Gitarrist Nathan Plancherel. Sie waren in den letzten fünf Jahren mit ihren beiden Vorgängeralben Endklang und Bilderbuch CD des Monats bei depechemode.ch. Nach fast drei Jahren Pause meldet sich die sympathische Band aus Zürich mit ihrem neuen Album PYGMALION zurück. Die CD erscheint am 15. Oktober, wir haben uns kurz vor dem Release mit Band-Mastermind Markus Nauli unterhalten.

Vergiss mich nicht
Pygmalion
Verflucht
Pourquoi
Les Caves Du Mal
Psy
Ganz Still
Bonustracks :
Pourquoi (Original)
Habemus Papam (Eon-Remix)
In die Nacht (Remix 2010)
Pygmalion (Slow)
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dm.ch: In ein paar Tagen erscheint das neue Irrlicht Album "Pygmalion". Ich muss zugeben, dass ich dieses Wort zuvor noch nie gehört habe. Es kommt aus dem Griechischen und hat mit Königen zu tun. Habt ihr etwa in Kreta oder auf dem Peloponnes Ferien gemacht *lacht* oder was steckt dahinter?
Markus: Ganz weit daneben *lach*, auch wenn ich hier nicht bestreiten kann, dass mir Urlaub in Griechenland durchaus zusagen würde. Der Pygmalion-Mythos, der ursprünglich in der römischen Antike bei Ovid auftaucht, ist sehr spannend, weil er verschiedene Facetten der menschlichen Existenz und des künstlerischen Schaffens aufgreift. Ovid beschreibt in den "Metamorphosen" den Steinhauer Pygmalion, der sich seine "Traumfrau" meisselt. Er betet diese von ihm erschaffene Statue an und erweckt sie durch seine leidenschaftliche Sehnsucht zum Leben. Der Pygmalion-Mythos spricht damit u.a. das Verhältnis des Künstlers zu seinem eigenen Kunstwerk an. Viele Musiker oder Künstler zerbrechen z.B. an der Liebe zu ihrer eigenen Kunst, weil Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen. Was passiert, wenn das Kunstwerk eine solch starke Macht auf den Künstler ausübt, dass dieser schließlich den Verstand verliert? Oder der vom Menschen erschaffene Roboter, wie z.B. in dem Film "I-Robot" ein Eigenleben entwickelt und den eigenen Schöpfer bedroht? Können wir durch unsere Erwartungen gegenüber einem geliebten Menschen dessen Charakterzüge beeinflussen? All diese Fragen spricht Pygmalion an.
dm.ch: Eure letzten beiden Platten "Endklang" (2005) und "Bilderbuch" (2007) waren Schlusspunkte nach dem Ausstieg 2005 von Markus Meier (Manager von The Beauty Of Gemina und Interaktiv-Gast 2010) und Neubeginn 2007 mit Sängerin Daniela. Besonders "Bilderbuch" ist mit dem Song "Habemus Papam" oder "Treibjagd" ein bisschen religiös/politisch zynisch. Die Songtitel von Pygmalion lassen teilweise auf Beziehungsschmerz schliessen. Songs wie "Pourquoi", "Verflucht", "Ganz Still."
Markus: Eigentlich auch nicht – "Pygmalion scheint mir vielmehr das "unromantischste", welches wir jemals gemacht haben. Das von Dir angesprochene "Verflucht" und auch "Ganz Still" sind sehr gesellschaftskritisch zu verstehen.
"Pourquoi", die aktuelle Single, stellt hier schon fast eine Ausnahme dar. Der Song ist inhaltlich ein kleines Märchen, wo eine kleine Elfe in der Seele eines sehr traurigen Menschen spazieren geht.
dm.ch: Wie beim letzten Album gibt es auch auf Pygmalion ein paar auf französisch gesungene Songs. Wie kommt eine Band aus dem Grossraum Zürich dazu, Songs in französischer Sprache aufzunehmen?
Markus: Seit Gründung von Irrlicht haben wir unsere Texte immer in deutscher oder französischer Sprache gehalten. Es ist ein sehr wichtiges Markenzeichen der Band, mit beiden Sprachen zu spielen und diese in Songs gemeinsam zu nutzen. Daniela, unsere Sängerin, hat überdies in diesem Jahr Ihr Staatsexamen in Französischer Sprache geschrieben und unterrichtet nun diese Fremdsprache in Deutschland.
dm.ch: Für jeden Künstler ist die neuste CD bei Albumpräsentationen die Beste. Egal, ob Irrlicht, Depeche Mode oder Metallica. "Pygmalion" ist das achte Album seit eurer Gründung 1996. Jetzt, da die Platte fertig ist und Du die Tracks schon tausendmal gehört hast, welches "Gefühl" hast Du von dieser Platte?
Markus: Es ist tatsächlich sehr schwer, nach einer derart langen Zeit im Studio ein neutrales Bild von einer neuen CD zu haben. Insbesondere die letzten 4-5 Monate wo nur noch technische Aspekte im Vordergrund stehen, geht die musikalische Neutralität als "Konsument" etwas verloren. Alles in Allem sind wir jedoch mit den Arbeiten sehr zufrieden.
dm.ch: Wohin geht die Reise mit diesem Album, vielleicht auch wieder einmal nach Leipzig ans WGT?
Markus: WGT ist für uns im 2011 definitiv wieder ein Thema; habe es mir in den Kopf gesetzt. Es wäre sehr schön, mal wieder aktiv als Musiker in Leipzig zu weilen.
dm.ch: Musik ist ja nicht euer Beruf, sondern eigentlich "nur" euer heissgeliebtes Hobby. Aber gerade in Zeiten von Albumproduktion, Release und Promo-Gigs bleibt wahrscheinlich nicht viel Zeit für Ausgang, Kino oder Essen mit Freunden. Wie schaffst Du es, neben dem Job alles unter Kontrolle zu halten?
Markus: Du hast Recht: in den vergangenen Monaten mussten Kino, Ehefrau und Freunde oftmals hinten anstehen. Insbesondere meiner Frau möchte ich an dieser Stelle für die grosse Toleranz danken – das ist keinesfalls selbstverständlich.

dm.ch: Ich möchte einmal eine kleine Parallele ansprechen: als Vince Clark 1981 Depeche Mode verliess, blieben David, Andy und Martin zurück mit 3-4 niedlichen Songs namens "See You" oder "The Meaning Of Love". Martin Gore war "verdammt", Songtexte zu schreiben. Als Hauptsongschreiber Markus Meier die Band verliess, hast Du zusammen mit Daniela diese Aufgabe übernommen. Wie schwer war es, in diese Aufgabe hineinzuwachsen?
Markus: Eine sehr gute Frage... Nachdem Markus Meier die Band am Mikro verlassen hatte, gab es Überlegungen die Band umzutaufen! Wir hatten, und haben noch heute, enorm grossen Respekt von den Texten von Markus Meier. Wir wussten, dass dieser sehr belesen war und einen unüberschaubaren Fundus von eigenem Wissen und Literatur aus allen Herren Ländern im Rücken hatte. Für Songs wie "Garten Seraphinas" hat dieser beispielsweise über mehrere Monate an jenem ellenlangen, bis aufs letzte Detail perfekten, literarischen Text gefeilt.
Meier hat uns in einer ersten Phase noch unterstützt, so dass wir uns nach und nach ins Songwriting einleben konnten. Die ersten vollumfänglich selbst getexteten Lyrics ("Leuchtturm" und "Die Rache Vidar") gaben mir die Gewissheit, den Ansprüchen von Irrlicht gerecht zu werden.
Trotzdem, Songtexte zu schreiben ist noch heute eine riesige Herausforderung für mich.
dm.ch: Täusche ich mich oder ist eure Musik tanzbarer geworden seit "Endklang"?
Markus: Korrekt – Irrlicht ist tanzbarer geworden! In unseren Anfängen waren wir ja eher ein Projekt mit dem Ziel, Literatur zu vertonen. Dass nun viele der aktuelleren Stücke "clubtauglicher" geworden sind, mag verschiedene Gründe haben. Sicher ist, dass du dich beim Komponieren immer, bewusst oder unbewusst, an eigener Hörgewohnheit als "Musikkonsument" beeinflussen und inspirieren lässt. Andererseits haben wir auch gezielt diesen Weg gewählt: wir finden es äußerst spannend und eine große Herausforderung, anspruchsvolle Texte und Inhalte mit traditionellen Clubsounds zu kombinieren. Dieser Anspruch, Hirn & Tanzbein gleichermaßen zu fordern, ist doch eine tolle Kombination!
dm.ch: Jeder Künstler hat sein Vorbild, sein Idol. Wer hat Dich früher besonders beeinflusst und wer tut es jetzt noch?
Markus: Idole oder Vorbilder finde ich ein falscher Ausdruck, doch es gibt umso mehr Künstler verschiedenster Richtungen, welche mich sehr inspirieren und auch faszinieren.
Ungeachtet, dass ich hier DepecheMode.ch Red & Antwort stehen darf: Martin Gore gehört sicherlich dazu. In den Anfängen von Irrlicht, wo wir in erster Linie das Ziel hatten, Literatur zu vertonen, waren Anne Clark oder auch Oswald Henke (Goethes Erben) wichtige Quellen.
Vom musikalischen und technischen Standpunkt her bewundere ich Sachen von Adrian Hates (Diary Of Dreams).
dm.ch: Zum Schluss meine übliche Frage: kannst Du uns Deinen Lieblingssong von Irrlicht, Depeche Mode und The Cure verraten?
Markus: Irrlicht: der Opener zum neuen Album " Vergiss mich nicht" – ich habe zum Text einen sehr persönlichen Bezug
Bei Depeche Mode ist es seit Jahr & Tag die Liveversion zu "Icemachine", bei the Cure (ebenfalls die Live-Version) von "Faith".
dm.ch: Egal, ob auf CD, bei Konzertbesuchen oder Interviews, es ist immer wieder eine Freude, euch zu begegnen. Wir wünschen euch viel Erfolg mit "Pygmalion"!
Markus: Ich danke Dir – weiterhin alles Gute Dir & dem ganzen DM-Team.
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